Popkultur

Es kann nur einen geben

Ab 1959 gehörte der Abendgruß vom Sandmann zum lieb gewonnenen Ritual vor dem Schlafengehen. Dabei setzten Ost- und Westdeutschland jeweils auf ihr eigenes Sandmännchen. Was unterschied sie?
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Erster!

Der Ost-Sandmann geht am 22. November 1959 und damit acht Tage vor dem West-Sandmann im Deutschen Fernsehfunk auf Sendung. Beim Hörfunksender Radio DDR konnte man dem ersten Abendgruß vom Sandmann bereits am 9. Mai 1956 lauschen.

Ein echter Ohrwurm

„Sandmann, lieber Sandmann …“ – die Titelmelodie vom Ost-Sandmännchen wurde im November 1959 an nur einem Abend von Wolfgang Richter am Klavier komponiert. Den bereits existierenden Text ließ der Komponist sich am Telefon diktieren – drei Stunden später lieferte er die passende Melodie. Grund für die Eile: die Annahme, der Westen plane ein Pendant zum Sandmännchen.

 

Mit erhobenem Zeigefinger

Im DDR-Kinderfernsehen war der Sandmann stets mit erhobenem Zeigefinger zu sehen, denn als politische Figur verfolgte er einen Erziehungsauftrag. Die Moral der Geschichten steht heute nicht mehr im Vordergrund und auch den in die Höhe gereckten Zeigefinger sucht man vergebens.

Die Gefährten

Pittiplatsch, Schnatterinchen, Moppi, Fuchs und Elster begleiten den Ost-Sandmann als ständige Gefährten bis heute. Dagegen war der Mann aus dem Westen stets allein unterwegs.

Kein Sand für müde Augen

Schlafsand verstreut der Ost-Sandmann noch heute wortlos am Ende jeder Folge – und schickt seine kleinen Zuschauer auf diesem Weg ins Land der Träume. Das Männchen aus dem Westen verzichtete dagegen konsequent auf das Sandstreuen und rief seinen Zuschauern stattdessen zu: „Schlaft recht schön!“

Von der Handpuppe zu Käpt’n Iglo

Kein Mund, dunkle Knopfaugen, Zipfelmütze und Ziegenbart: Noch heute sieht der Ost-Sandmann aus wie an seinem ersten Tag. Der West-Sandmann erlebte dagegen bereits nach 40 Folgen seine erste Verwandlung. Weitere sollten folgen. 1962 setzte sich das Sandmännchen mit Kapitänsmütze und Jeanshose durch

Einer im Porsche, einer im Trabbi

In einem fliegenden Automobil, das dem Porsche 911 nachempfunden sein soll, flog der West-Sandmann durchs Bild. Später schwebte er auch mal im Wolkenschiff, ausgerüstet mit einem Schlüssel für die Fernseher der West-Wohnzimmer. Und der Ost-Sandmann? Erst im Fantasiefahrzeug, später im Trabbi war er zu sehen. 1970 fuhr er einmalig in der Rallye-Ausführung eines Polski Fiats mit offenem Verdeck vor.

 

Flugobjekte unerwünscht

1976 war der Ost-Sandmann zum ersten und vorerst letzten Mal mit einem Heißluftballon unterwegs. Der Grund: Kurze Zeit später wurde publik, dass einer Familie im selbst gebauten Ballon die Flucht aus der DDR gelungen war. Erst 1984 wurde das Fluggerät wieder gezeigt.

Flug ins All

Während der West-Sandmann sich redlich um seinen Erfolg auf Erden bemühte, schaffte es sein Konkurrent aus dem Osten sogar ins All. DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn nahm ihn 1978 mit an Bord der sowjetischen Raumstation Saljut 6.

 

Der Wendegewinner

Das West-Sandmännchen wurde 1989 abgesetzt, wenig später sollte das Ost-Sandmännchen folgen. Mit großem Protest reagierten Eltern und Kinder im Herbst 1990 auf die Absetzungspläne. Mit Erfolg: Am 31. Dezember 1991 hatte der Ost-Sandmann seinen letzten Auftritt im DFF – einen Tag später feierte er Premiere im ORB und MDR. Seit diesem Tag ist auch der Name „Unser Sandmännchen“ bundesweit Programm.

 

Auf Erfolgskurs 2.0.

Circa 22.000 Gute-Nacht-Sendungen waren seit dem ersten Auftritt des Ost-Sandmännchens 1959 im Fernsehen zu sehen.