Sprechzeit

Behandeln Sie Freunde, Frau Doktor?

Ärzte helfen täglich unzähligen Menschen. Sie stellen Diagnosen, operieren, treffen schwere Entscheidungen. Aber was tun sie, wenn ein Freund bei ihnen anklopft und Hilfe sucht? Eine Ärztin und zwei Ärzte erzählen
„Ich helfe in meinem Freundeskreis gern weiter.“

Dr. med. Jacqueline Hiepler, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Diabetologie

Ja, ich behandle auch Freundinnen und Freunde. Sie wohnen meist etwas weiter weg und ich gebe ihnen dann per Telefon einen Rat. Häufig geht es darum, dass sie mich um eine zweite Meinung bitten. Oder sie fragen nach einer Empfehlung, wohin sie sich für eine weitere Behandlung wenden können oder wo sie schnell einen Termin bekommen. Ich poche nicht darauf, dass sie sich an mich wenden, aber ich helfe in meinem Freundeskreis gern weiter. Zu meinen Patientinnen und Patienten habe ich auch oft eine freundschaftliche Bindung. Da wird es herzlich, wenn wir zum Beispiel über die Familie oder über den zurückliegenden Urlaub reden. All das verlässt aber nie den professionellen Rahmen. Von der Praxis ins Private, das geht nicht.

„Es ist ein Kompliment, wenn mich ein Freund um Rat bittet.“

Dr. med. Jürgen Zastrow, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Während meiner Facharztausbildung in der Klinik habe ich einmal zwei Freunde operiert. Sie sind dafür eine Woche lang stationär aufgenommen worden. In meinen Freistunden ging ich manchmal in ihr Patientenzimmer und wir haben uns dann fröhlich unterhalten. Das war eine schöne Zeit. Wenn mich heute ein Freund in meiner Praxis aufsucht, gibt er mir manchmal auch ein offeneres Feedback, sagt Dinge, die andere vielleicht nicht sagen würden. Für mich ist es übrigens ein Kompliment, wenn mich ein Freund oder eine Freundin anruft und um ärztlichen Rat oder Hilfe bittet. Da steige ich gern ins Auto, wenn das nötig ist, und mache mich zu der Person auf den Weg. Ich behandle nicht nur meine Freunde, sondern auch meine Familie. Meine Kinder habe ich ebenfalls schon operiert. Das ist emotional sehr anspruchsvoll. Letztlich geht es mir aber um die Möglichkeit der persönlichen Fürsorge bei meinen Freunden und meiner Familie.

„Auch außerhalb der Praxis bitten mich die Menschen um medizinischen Rat.“

Dr. med. Arndt Berson, Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologie

In der Ausbildung habe ich gelernt, dass wir möglichst keine Verwandten behandeln sollen. Man ist da vielleicht nicht ganz so objektiv. Aber mit der Zeit kommt die Selbstsicherheit und ich begrüße in meiner Praxis längst gern auch Freunde. Hier in Kempen in Nordrhein-Westfalen habe ich schon das Gymnasium besucht. Dadurch kenne ich hier viele Menschen noch aus meiner Jugend. Ehemalige Schulfreunde kommen teilweise gezielt in meine Praxis. Ich behandele sogar einen ehemaligen Lehrer von mir. Auch außerhalb der Praxis sprechen mich die Menschen immer wieder an und fragen nach medizinischem Rat. Das ist in einer Kleinstadt ganz normal. Durch die Begegnungen in meinem Praxisumfeld habe ich mehrere neue Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen. Dafür bin ich sehr dankbar.“