Jugend

Die Poesie der Poesiealben

Oft machen sie schon im Kindergarten die Runde, spätestens aber in der Schule – Poesiealben und Freundschaftsbücher. Ob Steckbriefformat oder Klassiker mit weißen Seiten: Wer ein Buch bekommt, soll Kreativität beweisen
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Sei gehorsam, sei bescheiden, ehre stets der Eltern Wort. Lerne reden, lerne schweigen, aber stets am rechten Ort“ – der Blick in die alten Poesiealben der Redaktion ließ uns häufig verwundert zurück. Selbst die Ausgaben jüngerer Kolleginnen und Kollegen bargen einige etwas merkwürdige Schätze: „Wenn ich bin in Afrika, zwischen Speck und Paprika, wenn mich dann die Löwen fressen, erst dann will ich dich vergessen.“ Ihren Zweck erfüllen die beschriebenen Seiten jedoch früher wie heute ausgezeichnet: die Erinnerung an alte Freundschaften wecken.

Die Geschichte der Alben geht ins 16. Jahrhundert zurück, schon damals sammelten Menschen darin Erinnerungen und ließen Freunde und Vertraute Widmungen hineinschreiben. Später wurden sie als „Stammbücher“ vor allem von männlichen Studenten gepflegt, bevor sie vorrangig bei jungen Frauen und Mädchen zur Tradition wurden. Neben persönlichen Widmungen waren seit jeher Zitate großer Autorinnen und Autoren, aber auch Bibelverse, Psalmen und kleine Gedichte beliebt – gern mit Appellen an die Tugend und Bescheidenheit der Beschriebenen. Je nach Enge der Freundschaft fielen diese mehr oder minder persönlich aus und wurden mit Rosenbildern und Zeichnungen verziert.

Und heute? Tauchen die Bücher immer noch gern in Schulklassen und Kindergartengruppen auf. Die quadratischen Klassiker scheinen aber seltener zu werden, heute gibt es eher knallbunte Bücher mit Steckbriefen, die die Kinder dann ausfüllen sollen. Statt Rosenbildern werden Sticker geklebt, aber Raum für Sprüche gibt es immer noch. Wenn sich heute ein Kind mit „Nicht wie Rosen, nicht wie Nelken sollen deine Jahre welken. Wie die Tanne, immer grün, sollen deine Jahre blühn“, verewigt, ist davon auszugehen, dass die Großeltern Pate dieser Einträge waren. Oder dass das Kind ein recht nostalgisches Gemüt hat.

Digitales Freundschaftsbuch

Damit Sie Ihr eigenes digitales Freundschaftsbuch oder Poesiealbum füllen können, finden Sie hier zwei Vorlagen für Instagram-Storys zum Downloaden. Füllen Sie die Mitte mit Ihrem Lieblingsspruch oder die Kategorien mit Worten, GIFs oder Emojis und teilen Sie sie mit Ihren Freundinnen und Freunden. Sie können die Bilder auch ohne Füllung teilen, andere Menschen taggen und so auffordern, weiterzumachen. Dafür brauchen Sie nicht einmal eine schöne Handschrift.