Film & Literatur

Kumpels wie im Bilderbuch

Die beste Freundin zum Pferdestehlen, Treue bis in den Tod oder die gemeinsame Suche nach der großen Liebe: Geschichten von „wahrer Freundschaft“ begeistern das Publikum. Ein Blick in die Literatur- und Filmgeschichte
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Damon und Phintias

„Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich/ Damon, den Dolch im Gewande …“. Kommt Ihnen bekannt vor? Dann geht es Ihnen wie Generationen von Schülerinnen und Schülern, die Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“ auswendig lernen mussten. Inspiriert sind die Verse über die in historischen Quellen beschriebenen Freundschaft von Damon und Phintias, zwei jungen Pythagoreern. „Ich lasse den Freund dir als Bürgen,/ Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen“, so die Ausgangssituation. Erwürgt bzw. ans Kreuz geschlagen wird am Ende keiner der beiden – stattdessen kommt es zur überraschenden Begnadigung. Die Rückkehr des Freundes entgegen aller Widrigkeiten, sein Worthalten, rühren den Tyrannen: „Drauf spricht er: Es ist euch gelungen,/ Ihr habt das Herz mir bezwungen,/ Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,/ So nehmet auch mich zum Genossen an/ Ich sei, gewährt mir die Bitte,/ In eurem Bunde der Dritte.“

Harry und Sally

Können Männer und Frauen Freunde sein? Die einen verstehen nicht einmal die Frage: Schließlich ist das Geschlecht eines Menschen doch kein Kriterium, wonach ich meine Freunde aussuche! Andere können stundenlang darüber diskutieren, warum es eben nicht gutgehen kann, wenn männlich und weiblich „einfach so“ miteinander Zeit verbringen. Als Beispiel dient oft dieser Filmklassiker von 1989 mit Billy Crystal und Meg Ryan: Darin wird viel über Freundschaft und Beziehungen diskutiert, dann kommt der Sex dazwischen – am Ende steht ein romantischer Kuss, Hochzeit inbegriffen. Berühmt ist der Film aber vor allem wegen eines vorgetäuschten Orgasmus beim Mittagessen – und der Reaktion der Dame am Nebentisch: „I’ll have what she’s having“ (Ich nehme das, was sie hat).

Bibi und Tina

Beste Freundin zum Pferdestehlen: „Das sind Bibi und Tina/ Auf Amadeus und Sabrina/ Sie jagen im Wind/ Sie reiten geschwind/ Weil sie Freunde sind …“ Wer ohrwurmlastigen Songzeilen wie diesen bisher entkommen konnte und noch nie von Bibi und Tina gehört hat, der kennt vielleicht die eine Hälfte des Duos: Bibi Blocksberg, die kleine Hexe, die im Hochhaus wohnt, auf einem Besen namens Kartoffelbrei fliegt und nur „Hex, Hex“ rufen muss, damit die tollsten Dinge geschehen. Auch in diesem Spin-off steht sie im Mittelpunkt: Während der Reiterferien hat sich die blonde Bibi mit der rothaarigen Tina vom Martinshof angefreundet. Zwischen Stall und Pferdeweide erleben die beiden mit Schimmelstute Sabrina und Hengst Amadeus Abenteuer, in denen auch die Hexerei eine Rolle spielt – und die vor allem Mädchen begeistern: Knapp 100 Hörspielfolgen sind seit den 1990ern erschienen. Bei den bisher vier Kinofilmen hat Detlev Buck die Regie übernommen. Zuletzt hat er in Brandenburg sogar eine ganze Serienstaffel „Bibi und Tina“ abgedreht.

Emil und die Detektive

Der zwölfjährige Emil Tischbein wird im Zug nach Berlin bestohlen. Weg ist das Geld für die Großmutter, das seine alleinerziehende Mutter zurückgelegt hatte. Zusammen mit Gustav mit der Hupe, dem „Professor“, Pony Hütchen, dem kleinen Dienstag und dem Rest der Kinderbande nimmt Emil die Verfolgung auf. Gemeinsam sind sie stark: Die Kinder heften sich so erfolgreich an die Fersen des Bösewichts Herrn Grundeis, dass der, in die Enge getrieben, als gesuchter Bankräuber hinter Gittern landet: „Emil und die Detektive“ aus dem Jahr 1929 ist einer der erfolgreichsten Jugendromane seiner Zeit, ein Klassiker, der sich wie Erich Kästners „Pünktchen und Anton“ oder „Das doppelte Lottchen“ bis heute gut verkauft. Allein in Deutschland wurde der Stoff drei Mal verfilmt. „Parole Emil!“

Sex and the City

Frauenfreundschaft, unzählige Dates und die eine große Liebe: Carrie Bradshaw sinniert über das Singleleben in New York City – nicht nur als erfolgreiche Sexkolumnistin, sondern auch mit ihren Freundinnen, der PR-Beraterin Samantha, Anwältin Miranda und Galeristin Charlotte. Was die vier zwischen Business Lunch, Shoppingtouren und glamourösen Partys erleben, wie sie sich über Männer im Allgemeinen und ihre Affären im Besonderen austauschen, das lockte Anfang der 2000er auch in Deutschland Millionen Zuschauer und, hauptsächlich, Zuschauerinnen vor die Fernsehgeräte. „Sex and the City“, kurz SATC, erreichte Kultstatus, sechs Staffeln und zwei Kinofilme entstanden. Neben Sarah Jessica Parker als Carrie und ihren Kolleginnen unbestritten Serienhelden: die High Heels und die Designeroutfits der vier, die die Zuschauerinnen online bis ins Detail diskutierten. Und natürlich Manhattan. Touren auf den Spuren von SATC waren bis zuletzt beliebt.