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Typologie der Freundschaft

Eines haben alle Freundschaften gemeinsam: Sie sind wertvoll. Egal, ob sie für immer halten oder nur für einen Lebensabschnitt. Die 6 häufigsten Freundschaftsarten im Überblick
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Die Elternfreundschaft

Geburtsvorbereitungskurs, Elternabend, PEKiP-Gruppe, Spielplatz: Wer zum ersten Mal Vater oder Mutter wird, sieht sich gerade in den ersten Lebensjahren des Kindes so manch unerwarteter Zweckgemeinschaft ausgesetzt. Ein guter Nährboden für Freundschaften, denn die ersten Schritte in die Elternschaft geraten oft tapsig – da ist es schön, wenn man nicht allein ist und sich austauschen kann. Viele solcher Freundschaften sind zu Beginn intensiver als die Freundschaften zwischen Eltern und Kinderlosen, weil man mehr Verständnis füreinander hat. Werden die Kinder älter, schlafen aber nicht wenige Elternfreundschaften dauerhaft ein.

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Die „Unsere Eltern sind befreundet“-Freundschaft

Während die Eltern Kaffeeklatsch machen, den nächsten gemeinsamen Urlaub planen oder Silvester feiern, spielen die Kleinen schön zusammen und sind die allerbesten Freunde. Jedenfalls, wenn es nach Mama und Papa geht. Dass sich die Kinder eigentlich nichts zu sagen haben, weil Kind 1 lieber mit Autos spielt, während Kind 2 auf Bäume klettert, Kind 1 als Teenager Hip-Hop hört und Kind 2 mit grün gefärbten Haaren Pogo tanzt, bekommen sie vielleicht gar nicht mit. Und nerven ein Leben lang mit ständigen Status-Updates des jeweils anderen Kindes.

Haltbarkeit: ⏳

Die WG-Freundschaft

Bei der Besichtigung kreist die erste Weinflasche, die Zusage für das ersehnte Zimmer kommt sogleich und beim ersten gemeinsamen Kochabend sind die neuen Mitbewohner begeistert von der nepalesischen Gewürzmischung aus dem Auslandssemester. Über die Jahre wächst die WG zusammen wie eine kleine Familie. Dann ist das Studium beendet, die eine zieht mit ihrem Freund zusammen, der andere geht für einen Job ins Ausland und man selbst wird irgendwie auch erwachsen. Zuerst versprechen sich alle, sich ganz sicher zu melden, wenn sie in der Stadt sind. Doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass die größte Gemeinsamkeit die geteilte Küche war.

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Die Kindergartenfreundschaft

Im Kindergarten ist da dieses Kind, das dich an den Maltisch winkt, oder es ist das Kind in der Grundschule, das dich in der Pause fragt, ob du mit Fangen spielen möchtest. Und das dann bleibt. Ein paar Jahre später ist es das jetzt erwachsene Kind, das zwar einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat als du, aber sich immer noch ins Auto setzt und die 150 Kilometer zu dir fährt, um dich mitten im größten Liebeskummer zu trösten. Das Kind, das dir die Party zum 30. Geburtstag ausrichtet, weiß, dass du Artischocken hasst und damals in der Schule heimlich in den Referendar verknallt warst. Das ist es, das große Glück.

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Die Hobbyfreundschaft

Schach-AG, Theatergruppe, Oldtimer oder Orchester: Ihr habt euch über ein gemeinsames Hobby kennen- und schätzen gelernt. Das schweißt zusammen, denn ihr könnt gemeinsam fachsimpeln, voneinander lernen und eure Fähigkeiten verbessern. Noch dazu macht Teamwork einfach Spaß. Alles in allem sind das optimale Voraussetzungen für eine gute und langfristige Freundschaft – auch wenn es zuweilen schon mal das Risiko eines Wettstreits oder eines kleinen Konkurrenzkampfs gibt. Letztlich entscheidet Fair Play.

Haltbarkeit: ⏳⏳⏳⏳

Freunde mit Vorzügen

Nicht jede Beziehung muss in die Tiefe gehen. Mancher sucht einfach nur jemanden für einen gemeinsamen Saunabesuch, zum Kuscheln, als Begleiter für einen Konzertbesuch oder ein gemütliches Dinner. Das Praktische an „Friends with Benefits“: Man kann sie unverbindlich und spontan kontaktieren. Wenn’s passt, ist es gut – und wenn es gerade zeitlich nicht passt, ist keiner beleidigt. Streits und Eifersüchteleien haben bei solchen Freundschaften mit viel Praxisbezug und wenig Tiefgang meistens auch keine Chance. Wenn sie enden, dann meistens, weil einer der Beteiligten sich fest bindet.

Haltbarkeit: ⏳⏳⏳⏳